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Test eines neuen Verfahrens: erste Injektion von in Meerwasser gelöstem CO2 in Basalte in Island

Test eines neuen Verfahrens: erste Injektion von in Meerwasser gelöstem CO2 in Basalte in Island

November 2023 - Alba Zappone, Stefan Wiemer, Anne Obermann

Anfang November startete die erste Injektion von aus der Schweiz transportiertem und mit Meerwasser vermischtem CO2 in den isländischen Untergrund. Die Injektion wird mit umfassenden geophysikalischen und geochemischen Messmethoden überwacht, um die Flüssigkeitsausbreitung und den CO2-Mineralisierungsprozess zu verfolgen. Die Partnerprojekte DemoUpCARMA und DemoUpStorage werden in Zusammenarbeit mit Carbfix den Transport und die Injektion von CO2 bis Herbst 2024 fortsetzen.

Mit dem Beginn der Injektion von Schweizer CO2 in Helguvík, Island, hat das Projekt einen wichtigen Meilenstein erreicht. Die Injektion von in Meerwasser gelöstem CO2 in den basaltischen Untergrund in einer Tiefe von etwa 400 m wird zum ersten Mal im Feld getestet. Bisher hat das Partnerunternehmen Carbfix das CO2 in Süsswasser gelöst, um dieses unterirdisch mineralisieren zu lassen. Nun soll untersucht werden, ob das Verfahren und die Mineralisierungsprozesse mit Meerwasser funktionieren. Carbfix und die Universität Island haben dies bereits unter Laborbedingungen demonstriert. Darüber hinaus werden Verfahren zur Überwachung und Verfolgung zur Verfolgung der Mineralisierung entwickelt und getestet.

Ein bekannter Prozess aus der Natur

Der Mineralisierungsprozess von in Meerwasser gelöstem CO2 in basaltischen Strukturen, wie er nun in Helguvík angewendet wird, ist nicht völlig unbekannt: Es handelt sich um einen natürlichen Prozess, der sich in vielen Teilen Islands und an ozeanischen Rücken (Basaltstrukturen) am Meeresboden beobachten lässt. Ozeanische Rücken absorbieren grosse Mengen an CO2, welches von in der Tiefe entweichenden Magmagasen stammt oder aus atmosphärischem CO2, das sich im Meerwasser gelöst hat. Kalzium-, Magnesium- und Eisenionen aus dem Basalt reagieren mit dem CO2 und bilden Karbonatmineralien wie Kalziumkarbonate, Magnesiumkarbonate und Eisenkarbonate.

Im Pilotprojekt DemoUpCARMA wird biogenes CO2, das von der Schweiz nach Island transportiert wurde, in Meerwasser gelöst und in Basaltformationen injiziert, wo es in den Poren und Klüften mineralisieren soll. Es wird erwartet, dass im isländischen Untergrund ähnliche Prozesse ablaufen wie am Meeresboden, so dass das CO2 letztlich in Form von Karbonatmineralien immobilisiert wird und somit nicht mehr in die Atmosphäre entweichen kann. Basalte gelten als wichtige geologische Option, um CO2 zu speichern, weil es relativ günstig ist und sie ein grosses Speicherpotenzial und ein geringes Risikoprofil aufweisen. Die Verwendung von Meerwasser für die Injektion würde die Anwendbarkeit der Kohlenstoffmineralisierung in Basalten auf neue geografische Gebiete ausweiten und könnte somit einen grösseren Nutzen für das Klima ermöglichen.

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Grafik: Überwachungskonzept vom Projekt DemoUpStorage

 

Umfassende geowissenschaftliches Monitoring und Laboruntersuchungen

Vor der Injektion

Im Rahmen des Pilotprojekts DemoUpStorage führen verschiedene wissenschaftliche Teams umfangreiche Messungen vor, während und nach der Injektion durch. Bereits im Sommer 2022 installierte der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich fünf seismische Stationen in einem Radius von 300 Metern um die Injektionsbohrung in Island. Die Stationen bestehen aus Breitbandseismometern, die das Niveau der Hintergrundseismizität messen. Während der Injektion werden diese Stationen überwachen, ob die CO2-Injektion Erdbeben auslöst. Sie dienen auch dazu, Veränderungen im Untergrund zu verfolgen, die im Zusammenhang mit der Injektion des CO2-Meerwasser-Gemischs und den anschliessenden Veränderungen der physikalischen Eigenschaften des Gesteins auftreten könnten.

Nach Abschluss der Bohrarbeiten und vor der Injektion führte der SED eine erste Serie von Messungen im Injektions- und geophysikalischen Monitoring-Bohrloch durch. Diese umfassten – «crosshole seismic» (seismische Messmethode mit Hilfe zweier Bohrlöcher), Glasfaser-, Bodenradar- (GPR) und Widerstandsmessungen. Parallel zu diesen Messungen wurde vorübergehend ein dichtes seismisches Messnetz (seismic array) mit 40 Knotenpunkten an der Erdoberfläche beim Injektionsstandort installiert.

Die Daten der hochauflösenden Messkampagne liefern einen Referenzdatensatz und ermöglichen es den Forschenden, ein umfassendes Wissen über die umgebenden geologischen Strukturen zu erlangen. Dieser Datensatz ist auch entscheidend für die Entwicklung eines numerischen Modells des Reservoirs, d. h. des Volumens, in dem sich das CO2-Meerwassergemisch ausbreitet.

Parallel zu den Arbeiten in Island führte ein Forscherteam der EPFL Labortests mit Basaltbohrkernen aus Island durch. Die Bohrkerne wurden in der Nähe der Injektionsstelle entnommen und repräsentieren sehr wahrscheinlich die Formationen, die am Standort selbst in der entsprechenden Tiefe vorzufinden sind. Die Forschenden setzten die Kerne unterschiedlich lange einem CO2-Salzwassergemisch aus, wobei die maximale Expositionszeit dreieinhalb Monate betrug. Die Laborergebnisse zeigten bereits nach zwei Monaten in einigen der untersuchten Bohrkerne eine Verringerung des Durchflusses und damit eine Kohlenstoffmineralisierung. Eine ausführlichere Beschreibung der Labortests wird demnächst in einem weiteren Blogtext veröffentlicht.

Foto: Einer der fünf Seismometer, die vom SED um die Injektionsstelle installiert wurden.

 

Während der Injektion

Für die Injektion selbst, hat der SED ein spezielles geophysikalisches Monitoring-Bohrloch ausgestattet, in dem täglich Widerstandsmessungen durchgeführt werden. Breitet sich das CO2 erwartungsgemäss aus und mineralisiert, wäre das in der messbaren Signatur des spezifischen Widerstandes und der seismischen Geschwindigkeit zu erkennen.

Neben dieser kontinuierlichen Überwachung wird das SED-Team eine Reihe von hochauflösenden Messkampagnen (crosshole seismic, Glasfaser- und GPR-Messungen) durchführen und diese wiederholen, um die Ausbreitung und den Mineralisierungsprozess des CO2 -Meerwassergemischs im Basalt zu verfolgen.

Monitoring der Gaslösung

Ein Forscherteam unter der Leitung der Eawag (Eidgenössisches Institut für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz) führt zudem geochemische Messungen durch. Dazu gehört der Einsatz eines an der Eawag entwickelten mobilen Massenspektrometers namens «miniRuedi». Das mobile Massenspektrometer ist mit den geophysikalischen Bohrlöchern verbunden, um gelöste Gase in der Tiefe der Injektion (ca. 400 m) zu detektieren, und spielt eine entscheidende Rolle bei deren Monitoring. Darüber hinaus ist es mit einem speziellen geochemischen Monitoring-Bohrloch verbunden, das den Grundwasserspiegel in geringer Tiefe durchdringt. Auf diese Weise kann die potenzielle Gasentweichung und das Ausströmen von CO2 in geringer Tiefe überwacht werden. Damit lässt sich das Risiko besser beurteilen, dass CO2 aus der Tiefe in den oberflächennahen Grundwasserleiter austritt und schliesslich in die Atmosphäre entweicht.

Die Pilotinjektion wird wertvolle Erkenntnisse darüber liefern, wie CO2 in Zukunft in basaltische Strukturen injiziert werden kann, um es dort in Form von Karbonatmineralien dauerhaft zu speichern. Und dies unter Verwendung von Meerwasser, einer reichlich vorhandenen Ressource. Ozeanische und terrestrische Basalte haben theoretisch eine Kapazität für die mineralische Speicherung von CO2. Damit könnte diese Methode einen erheblichen Beitrag zur Erreichung der weltweiten Klimaziele leisten, indem grosse Mengen an CO2 unterirdisch mineralisiert und somit dauerhaft gespeichert werden.

 

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